Wir ermitteln die effektive Empfindlichkeit

Wenn wir einen kompletten S/W-Film mit aufgesetztem Objektivdeckel fotografieren würden, bekämen wir einen unterbelichteten Film nach dem Entwickeln zurück. Während der Belichtung ist kein Licht auf den Film gefallen und somit würde jedes mit einem Vergrößerer belichtete Positiv komplett schwarz werden, da es auf dem Negativ keine Schwärzung gibt.

Keine Schwärzung des Negativ?

Doch es gibt natürlich eine Veränderung des Negatives und zwar durch die Chemie des Entwicklungsbades.

Diesen Effekt nennt man „Schleier“. Dieser Schleier kann auch unterschiedliche Farbtöne haben, bei einigen Entwicklern, bzw. Filmen wird das Negativ Lila.

Wir suchen bei unserem Test die Schwärzung  des Negativ knapp über dem Schleier um ein Zone I Negativ zu ermitteln. Nun aber zum eigentlichen Film Test, der zur „Ermittlung der effektiven Empfindlichkeit“ dient. Man kann diesen Test auch als Kalibrierung einer Film-/Entwicklerkombination unter standardisierten Bedingungen sehen.

Dieser Test sollte bei jeder neuen Film-/Entwicklerkombination gemacht werden, da die ASA Angaben auf den Verpackungen bzw. Beschreibungen der Hersteller nicht immer  mit der tatsächlichen Empfindlichkeit des Films überein stimmen. In dieser Anleitung wird der Film Kodak Tri-X 400 getestet, der natürlich vor dem Test in die Kamera eingesetzt wird.

Testaufbau 1: Ermitteln der Zone I (Erste Schwärzung auf dem Negativ)

Ein schwarzer Karton DinA3 oder größer wird an einer Wand innerhalb eines Gebäudes angebracht und die Kamera auf einem Stativ. Der Karton wird nun mit einem Spotmeter (Siehe Foto 1a) in jeder Ecke und in der Mitte angemessen. Der gemessene Lichtwert, entspricht der Zone V.

Foto 1a

Spotmeter zur Ermittlung der Lichwerte

Zur Ermittlung der effektiven Empfindlichkeit benötigen wir einen Spotmeter

Wir stellen den Spotmeter auf einen 1/4 Wert der Hersteller Angabe von 400ASA ein, unsere Testreihe soll bei 100 ASA anfangen. Wenn kein Spotmeter vorhanden ist, kann man eine digitale Kamera mit Spotmessung benutzen(Hier auch den ASA Wert auf 100 im Menü einstellen).

Die Belichtungsmessung des Kartons sollte aus der Kameraebene gemacht werden und die gemessen Werte in den Ecken und in der Mitte müssen gleich sein. Die auf dem Stativ angebrachte Kamera auf Höhe des Kartons ausrichten, so dass wir nur den Karton im Sucher sehen. Objektiv auf unendlich stellen und die Kamera auf Manuell. Das Spotmeter zeigte in meinem Test den Lichtwert 3 an. Daraus ergab sich die Blenden/Zeit-Kombination von f2 bei 1/8 Sekunde. Der Lichtwert und die Blenden/Zeit Kombination wird auf ein Blatt Papier übertragen, damit wir nicht durcheinander kommen und später auf diese Werte zurück greifen können.

Foto 1b

Filmtest Aufbau mit Kamera

Filmtest Aufbau mit Kamera für die Ermittlung der effektiven Empfindlichkeit

Falls kein schwarzer Karton zur Hand ist, geht auch schwarzer Molton Stoff.

Fangen wir also an.

Erstes Foto bei  f2 bei 1/8 Sekunde entspricht 100 ASA. Daraus ergibt sich für die folgenden Fotos, wenn wir zu Grunde legen, dass sich der Blendendurchmesser vergrößert bzw. verkleinert von „Blendenstufe zu Blendenstufe“ um den Faktor v2 bzw. 1/v2, wodurch sich Fläche und Lichtmenge verdoppeln bzw. halbieren.

Beispiel:
100ASA * Wurzel(2) = 100ASA * 1,414 = 140ASA
140ASA * Wurzel(2) = 140ASA * 1,414 = 200ASA
usw.

VERSUCHSREIHE:

1.) f2———-1/8s 100ASA
2.) f2 1/2—–1/8s 140ASA
3.) f2.8——–1/8s 200ASA
4.) f2.8 1/2—1/8s 300ASA
5.) f4.0——–1/8s 400ASA
6.) f4.0 1/2—1/8s 600ASA
7.) f5.6——–1/8s 800ASA

Da ein Film ca. 36 Fotos bietet können wir diese Testreihe wiederholen, oder andere Motive fotografieren.

Letztendlich brauchen wir nur die Versuchsreihe um die „effektive Empfindlichkeit“ zu ermitteln. Falls der ein- o. andere Positive entwickeln möchte ist es ratsam jetzt 6 Aufnahmen mit aufgesetztem Objektivdeckel zu machen. Diese Aufnahmen dienen dazu perfekte Kontaktkopien mit dem Vergrößerer herzustellen und zum Nullen des Densitometers, dazu mehr in einem späteren Beitrag. Es sei noch erwähnt, um den Schwarzschildeffekt zu vermeiden, keine Aufnahmen > 1/2 Sekunde und < 1/500 Belichtungszeit zu machen.

Der Film wird nun mit dem von uns  gewählten Entwickler nach den Herstellerangaben entwickelt und getrocknet.

Die Versuchsreihe wird auf ein Leuchtpult (Siehe Foto 1b) oder ähnliches gelegt und mit dem Densitometer gemessen. Genullt wird zwischen 2 Negativen, oder wir nehmen eine der Aufnahmen mit aufgesetztem Objektivdeckel.

Foto 1c

Negativ Teststreifen

Negativ Teststreifen

Bei meiner Messung lag die „effektive Empfindlichkeit“ bei 140 ASA, da der Densitometer einen Wert von 0,11 über Schleier anzeigte (Siehe Foto 1b, das vierte Negativ von Links). Bei zukünftigen Aufnahmen mit dem getesteten 400 ASA Film sollte die ASA-Einstellung 140 betragen, wenn nach Hersteller Angaben der Film im Entwicklungsbad entwickelt wird. Diesen Test mache ich bei jedem neuen S/W-Film den ich mir kaufe, denn das Ziel ist es die richtigen Parameter für zukünftige Entwicklungen festzulegen, wie z. B. das Pushen von Filmen, oder das reduzieren von Lichtern bei ungünstigen Lichtverhältnissen.

Um dieses Ziel zu erreichen ist es  sehr wichtig, dass alle Vorgänge im Test gewissenhaft und genau durchgeführt werden.

Kleine  Messfehler

  • Belichtungsmesser – Ermitteln der Lichtwerte vom Karton
  • Unterschiede in den Emulsionen(Filmbeschichtung) – Kauf größerer Mengen(Charge) Filmmaterials ratsam
  • Zeittoleranzen – Verschlusszeiten der Kamera – Belichtungsfehler. Überprüfen des Verschlusses.
  • Blendentoleranz – Verteilung des Lichts während der Belichtung. Überprüfen des Verschlusses.
  • Temperaturen während der Lagerung des Filmmaterials
  • Temperaturen während des Entwicklungsprozesses und
  • natürlich auch die Genauigkeit des Densitometers,

können zur Verfälschung des Ergebnisses beitragen.

Ist diese Arbeit einmal gut erledigt ist eine Kontraststeuerung während der Negativentwicklung ein leichtes Spiel.

Lesen sie mehr zu diesem Thema in Teil 2.

 

Dies ist eine urheberrechtlich geschützte Arbeit. Bitte unterstützen Sie uns durch Verlinkung und Hinweis an anderer Stelle.
Aufgeführte Firmen-, Markennamen und Warenzeichen sind Eigentum des jeweiligen Herstellers und dienen lediglich der Beschreibung sowie der eindeutigen Identifikation.